KANTATE DER LIEBE

Konzept für einen Film von Dr. Klaus-Rüdiger Mai


Setting:
In der Familienbiographie der Bachs von Klaus-Rüdiger Mai, die bereits als Standardwerk gilt, gelang es dem Autor die entscheidende Zeit in Lüneburg, die bis jetzt weitgehend im Dunkeln lag, aufzuhellen – eine Zeit, in der sich Johann Sebastian Bach gegen ein Studium und für die Musik entschied. In der turbulent-vitalen Welt des Hofes von Lüneburg und des bürgerstolzen Hamburgs erlebt Johann Sebastian sein ‚Coming out of age‘ und begegnet seiner ersten Liebe.

Alle Ingredienzien sind vorhanden, um einen Film wie „Amadeus“ zu erzählen, nur preiswerter: alle Motive, die benötigt werden, existieren noch! Es wird ein Film voller Leidenschaft, Farbe, Humor und Musik.

Die Geschichte:
Im Jahr 1700 machte sich der fünfzehnjährige Johann Sebastian Bach vom thüringischen Ohrdruf zu Fuß auf den Weg ins ca. 380 km entfernte Lüneburg. Er kam, um die Lateinschule abschließen und dann studieren zu können. Die Musik war hierbei Mittel zum Zweck. Die Residenzstadt Lüneburg, die den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg unterstand, unterhielt an der Michaeliskirche einen Mettenchor, der mittellose Knaben, die über eine schöne Stimme und eine große Musikalität verfügten, suchte und aufnahm. Dafür erhielten sie Lohn, Unterkunft und Unterricht. Sebastians Herz war voller Erwartung und seine Vorstellung voller Bilder, denn Lüneburg mit seinen ca. 11 000 Einwohnern war für ihn Großstadt.

Anderthalb Jahre vor seiner Ankunft wurde 1698 am Markt das Neue Schloss fertiggestellt, das Herzog Georg Wilhelm als zweite Residenz nutzte. Georg Wilhelm hatte sich in die hinreißende Hugenottin Éléonore Desmier d’Olbreuse aus Poitou verliebt und mit ihr in einer anfangs morganatischen Ehe gelebt. Die galante Hugenottin nutzte ihren Einfluss und bildete den Hofstaat überwiegend aus Franzosen. Kammerherren, Kammerjunker, Pagenmeister, Köche, Jagdmeister, Zofen, Sekretäre, Musiker kamen aus Frankreich, so dass Zeitgenossen boshaft bemerkten, der Hof Georg Wilhelms sei ganz „verfranzt“. Auch Freiherr Karl Ludwig von Pöllnitz, der bekannte preußische Abenteurer und Schriftsteller berichtete mit maliziöser Süffisanz:
 
„Man hat mir erzehlet, daß sich die Franzosen so fest eingebildet als ob sie daselbst zu Hause wären, dass einer von ihnen als er mit dem Herzog einstmals zu Mittag gespeiset und wahrgenommen, dass unter denen zwölf Personen so an der Tafel gewesen, sich niemand als der Herzog befunden, der kein Franzos sey, er sich zu gedachtem seinem Herrn gewendet und ihn also angeredet habe: Es ist in der That artig genug, Gnädigster Herr, dass sich hier kein Fremder als nur Sie befinden.“

Sebastian war glücklich, denn er traf auf die modernste französische Musik. Zudem unterhielt Herzog Georg Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg eine französische Schauspielertruppe. Vor und nach den Aufführungen spielte die Hofkapelle neue französische Musik. Zur französischen kam 1671 eine italienische Schauspielertruppe hinzu. 1690 verpflichtete Georg Wilhelm eine italienische Operntruppe. Dadurch kam Sebastian auch mit der italienischen Musik in Berührung und andererseits mit der großen Entwicklung der norddeutschen Orgelmusik. Der musikbegeisterte Jüngling büffelte italienisch und französisch. Im Internat wohnte er neben dem französische Tanzmeister Thomas de Selle. Sebastian sprang in den Tanzstunden des Meisters als Musiker ein, zuweilen gegen Geld, häufig aber, um einem Konzert, einer Opern oder einem Schauspiel beizuwohnen.

Eigentlich war Sebastian im Glück, doch dann traf ein, was eigentlich in seinem Alter zu erwarten war: der Stimmbruch. Wie sollte es nun weiter gehen? Kaum angekommen stand er vor einer Katastrophe. Würde er nach Ohrdruf zurückgehen müssen? War alles vergebens? Hatte ihm die grausame Welt all die faszinierenden Möglichkeiten gezeigt, nur um die Wege dorthin für immer vor ihm zu verschließen? Zudem hatte er sich das erste Mal in seinem Leben verliebt, in die Sängerin Constanza Verrucci.

Sebastian war auf der Orgel und der Violine bereits ein Virtuose, ein Wunderkind, wie später Mozart. In Lüneburg löste sein Musizieren Staunen und Bewunderung aus. Das rettete ihn und die Katastrophe des Stimmbruchs schlug ihm zum Glück aus, denn es befreite ihn von den Verpflichtungen im Chor. Der berühmte Komponist Georg Böhm, Organist an der Johanniskirche, nahm Sebastian als Geselle an. Sie schlossen eine Übereinkunft, die Sebastian erlaubte, weiter die Schule zu besuchen. Doch in der glanzvollen Welt des Hofes und der Hofoper spürte Sebastian auf Schritt und Tritt, dass er eine mittellose Waise war.

Sein Lehrmeister Böhm pflegte engen Kontakt zu Dietrich Buxtehude und Johann Adam Reincken in Hamburg und mit Johann Sigismund Kusser, der zur prägenden Gestalt der Hamburger Oper wurde.

Zur außergewöhnlichen Musikalität des jungen Sebastians trat extremer Ehrgeiz, zumal ihm die Musik auch eine Parallelwelt, ein Exil bot, angesichts einer Wirklichkeit, die ihm in kurzer Zeit die nächsten Menschen geraubt hatte.

In Hamburg kam Sebastian mit der bürgerlichen Oper in Kontakt und verliebte sich in die „Singejungfer“ Döbrindt. Kaum 16 jährig stand er nun zwischen zwei Frauen, Verruci in Lüneburg und Döbrindt in Hamburg, begabte Sängerinnen – und ob ihre Schönheit oder ihr musikalisches Talent seine Leidenschaft entfachte, ist doch noch sehr die Frage. So geriet er in Liebeswirren, aber genauso in die Kämpfe um die Hamburger Oper, denn ein bedeutender Teil der Hamburger Geistlichkeit und der Bürger empfanden sie als unmoralisch und als gotteslästerlich und als sündhaft obendrein. So oft Sebastian es zeitlich und vor allem finanziell einrichten konnte, ging er ins anderthalb Tagesreisen entfernte Hamburg, das für ihn drei große Magneten beherbergte, Reincken, die Oper und die erste Singejungfer der Stadt.

Ostern 1702 schloss Johann Sebastian Bach die Prima ab und die Frage, wie es weitergehen sollte, stellte sich ihm unausweichlich. Er musste eine Entscheidung treffen. Sollte er der Singejungfer Döbrindt nach Dresden folgen, der Verrucci nach Mailand oder allein nach Leipzig zum Studium gehen?

Im Film sehen wir den jungen Johann Sebastian Bach zerrissen zwischen der Liebe zur Musik, seinem Ehrgeiz und zwei Frauenherzen vor originalgetreuen Kulissen in Hamburg und Lüneburg. Wohin wird der Weg seiner Lehr- und Wanderjahre führen?